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Oliver Rinaldi
Drehbücher

Sie alle kennen "Pretty Woman"...aber kennen Sie auch "Pitty Woman"?

 

HAUPTFIGUREN:

 

Bruno Rutzmooser (entsprechend dem Edward Lewis aus Pretty Woman)

 

-         Bruno Rutzmooser ist reicher Fabrikantensohn aus Niederbayern. Er hat von seinen Eltern ein Begräbnis-Unternehmen geerbt, das er durch viele clevere Marketing-Ideen (ausgefallene Särge, All-Inclusive-Beerdigungen, Beerdigungen als Happenings, Beerdigungen nach östl. / indischem/ sonstigen Ritus, riesige Auswahl von Hölzern und Grabsteinen / Profil der Toten etc. etc. ) hocherfolgreich betreibt. Allerdings ist er ein wenig verschroben, er fährt einen Leichenwagen, hat seltsame Verwandte aus ähnlichen Branchen (Grabsteinhauer u.ä.), mit denen er regelmässig zecht , fährt katastrophal Auto und spricht mit scheusslichem niederbayerischem Dialekt.  In Verhandlungen ist er genau wie sein Vorbild skrupellos und brutal, sein Ziel ist es, die gösste Kette von Beerdigungsunternehmen weltweit zu besitzen. Das will er seinem toten Vater beweisen, der ihm nie etwas zugetraut hat. Mit Frauen hat Bruno wenig Erfahrung, er ist auch überhaupt nicht weltgewandt, ein typisches Provinz-Ei eben, so tappt er im Laufe der Handlung in viele Fettnäpchen (Französisches Restaurant mit den Ruhe sanft Bvesitzern etc.) Aber er hat einen ehrlichen Charakter, Herz und ist  reich. Bruno ist gross, von eher tollpatschiger Figur (Bär) und im Gegensatz zu seinem Vorbild Edward eben nicht gutaussehend, er hat einen Bauch und trägt nichts anderes als schwarze Anzüge, weisse Hemden und eine schwarze Krawatte dazu. Er hält sich in Hamburg zu Übernahmeverhandlungen eines Konkurrenzunternehmens auf („Ruhe sanft GmbH“), als er, von einer Party seines Anwaltes Wladislaw Dracul kommend, vom Weg abkommt, sein Hotel nicht findet und auf das Strassenmädchen Josephine (Vivian) trifft. 

-

 

 

Josephine (entsprechend der Vivian Ward aus Pretty Woman)

 

-Josephine entspricht vollkommen dem Bild der Vivian aus Pretty Woman. Eine wunderhübsche, leicht verlotterte aber keinesfalls dumme Person, die durch widrige Umstände auf die schiefe Bahn geraten ist und eigentlich etwas besseres verdient hätte. Sie teilt mit ihrer chaotischen Freundin ein Zimmer, die beiden sind immer akut in Geldnot, Josephine ist clever im Aufreissen, tut sich jedoch schwer, die Rolle des Strassenmädchens dann auch konsequent durchzuziehen. Sie ist latent romantisch und träumt eben auch von dem grossen, starken Prinzen, der sie eines Tages aus ihrem Elend befreit und mit zu sich auf die Burg nimmt. Josephine trifft durch Zufall auf Bruno, der ihr als leichtes Opfer erscheint. So überhaupt nicht ihr Typ, entwickelt sie im Laufe der Geschichte immer mehr Zuneigung zu ihm (stark, goldenes Herz etc.), schliesslich verliebt sie sich rettungslos in ihn.

 

 

 

Handlung:

 

Bruno Rutzmooser, Erbe eines Begräbnisunternehmens aus Niederbayern, hält sich zu Vertrags-und Übernahmeverhandlungen eines Konkurrenzunternehmens in Hamburg auf. Von der Party seines Anwaltes kommend, verfährt er sich, gerät nach St. Pauli und bittet das Strassenmädchen Josephine um Auskunft. In akuter Geldnot –die Miete ist überfällig- erkennt Josephine ihre Chance und den Tölpel aus Niederbayern als leichte Beute, fährt mit ihm zum Hotel und wird prompt eingeladen, die Nacht mit Bruno zu verbringen. Aus einer Nacht entwickelt sich eine ganze Woche mit allen dazugehörigen und bekannten Verwicklungen, Hindernissen, Problemen, die beiden verlieben sich wider Willen ineinander, eine unmögliche Liebe, das ist den Protagonisten und Zuschauern klar. Am Ende der Woche steht –entgegen der Hoffnung von Josephine- der Abschied, der auch vollzogen wird. Schon am Flughafen befindlich kehrt Bruno jedoch um, fährt mit seiner Karosse nach St. Pauli und macht Josephine inmitten der anderen Bordsteinschwalben einen Heiratsantrag.

 

 

 

ORIGINAL-EXCERPT AUS DREHBUCH "PITTY WOMAN" (Die wahre Geschichte von Bruno & Josephine):

 

 

 

 

FADE IN: 

 

 

(1)        INNEN – PARTY V. DR. WLADISLAW DRACUL- NACHT                     (1)

 

 

            In einem schlossähnlichen Keller feiern die verrücktesten Gestalten,

            Hexen, Zauberer, man sieht Doppelgänger von bekannten Politikern

            (Schröder, Fischer, Kohl, Merkel, Bush) und Sportlern ( Beckenbauer,

            Vogts, Schumacher u.ä.) herumlaufen, scherzen, trinken.

            Der Anwalt von Bruno. Dr. WLADISLAW DRACUL, sabbert an einem

            Tisch eine grellgeschminkte Dolly-Buster an, die auf ihrem durchsichtigen

            T-Shirt die Buchstaben M und A über den Nippeln trägt. Kerzenlicht etc.

 

  

DRACUL

 

                        Also, wir sollten uns mal über ihre M und A unterhalten.

                        Mergers and Acquisitions sind meine Spezialität.

 

 

            Schwenk auf eine Ecke, in der BRUNO eifrig mit seiner Verlobten, JESSICA,

            telefoniert.

 

BRUNO

 

                          Du, sog a mal, hostn die Nachricht von der Frenzi ned kriagt.

                          I brachat di dringendst in dem Hamburg. Die Übernahme lauft.

                          Na, des is die Party von dem Wladislaw, du woast scho, unser

                          Anwalt. Ja zeffixhalleluja, des scheissTennisturnier musst halt

                          Absagen, Becker hin, Becker her. Wos? Verlobung lösen? Ja,

                          da leckst mi doch am Oarsch. Bitte, na ziagst halt aus, geh schleich

                          di doch, du blöde Ziegn! (legt wütend auf)

 

 

 

-1- 

 

 

 

-Schwenk auf Dr. Dracul, der immer noch mit Dolly auf der Couch sitzt, auf Ihren Busen starrt. Seine blutrote Zunge fährt geniesserisch über seine langen vorderen Schneidezähne-

 

 

 

DRACUL

 

                         Ich muss sie unbedingt näher kennenlernen. Intelligenz

                         hat für mich eine unwiderstehlich erotische Komponente.

 

Man sieht, wie Bruno sauer vorbeiläuft, das Haus verlassen will, Dracul springt auf

und läuft ihm hinterher, schubst Angela Merkel, die mit dem Gesicht in einen Cocktail knallt.

 

DRACUL

 

                        Bruno, Bruno, so warte doch, was ist denn los?

 

Sie stehen vor der Tür auf dem Kies vor dem Schloss, das sich im Hintergrund mächtig erhebt, Fledermäuse flattern, Keuzchen rufen, ein gelber Mond etc.

Überall die teuersten schwarzen Karossen, v.a. Leichenwagen. Vor den Autos steht

ein Glöckner-von-Notre-Dame Typ mit Buckel etc., CHRISOSTOMO, der Wächter

 

BRUNO

 

                        So a Pech, a verreckts. I bin eingeparkt.

 

DRACUL

 

                        Bruno ist eingeparkt.

 

CHRISOSTOMO

 

                       Der Leichenheini ist eingeparkt. (wirft sich einen Frosch in den Mund)

 

Brunos Blick fällt auf Draculs Fahrzeug, eine superschicke, hypermoderne  Stretch-Limo, schwarz, mit Schwingen wie Spoiler (ähnlich Superman-Fahrzeug)

 

 

 

-2-

 

 

 

 

BRUNO

 

                        Ich nehme deine Limo, Wladislaw. Wir sehen uns. (steigt ein)

 

CHRISOSTOMO

 

                        Ich will auch eine Limo. (wirft sich einen Frosch in den Mund)

 

Bruno rast bockend los, prescht die Einfahrt hinab, dass der Kies wegspritzt.

 

DRACUL (blickt ihm nach)

 

                         Weißt du überhaupt, in welche Richtung du fahren musst?

 

 

 

 

                                                        

 

 

(2)        AUSSEN – STRASSEN VON HAMBURG – NACHT                                    (2)

 

            Bruno prescht mit der Stretch-Limo eine Serpentinen-Strasse hinunter,

            es begegnen ihm ein Fackelzug (Ku-Clux-Clan), eine Herde Schafe,

            eine ganze Reihe Kampfpanzer u.ä., er biegt an einem Schild „Hamburg-

            City“ ab.

 

Die Musik und der Vorpann setzen ein und laufen ab, während Bruno dahinrast.

Man sieht, wie die Strassen breiter werden, viele Lichter, plötzlich befindet er sich auf der Reeperbahn. Überall Rotlicht etc. Wir sehen die Strichmädchen an einer

Seitenstrasse stehen.

 

 

 

 

-3- 

 

 

 

(3)        INNEN – APPARTMENT JOSEPHINE – NACHT-                                      (3)

 

Man sieht die langen, nackten Beine von JOSEPHINE in ihrem Bett, der Radio-Wecker klingelt, ihre Hand tastet danach, wirft ihn runter.

 

RADIOWECKER

 

            Good morning Vietnam!! Ein herrlicher, moskitoverseuchter Morgen

            begrüsst  uns, während Charlie auf der Lauer liegt, uns die Eier ab-

            zubeissen. Aber nicht verzagen Kameraden, sprüht euer Agent Orange,

            unsere wunderbare Chemo für den schlitzäugigen Charlie.

 

Josephine erhebt sich mühsam, streckt sich, stöhnt, reibt sich die Augen.

 

RADIOWECKER

 

           NA, na, ein wenig mehr Schmackes bitte, wenns recht ist. Wir sind der

           ganze Stolz Amerikas, der glorreichen Nation, entstanden auf echtem

           blutgetränktem Rothaut-Boden. Werft die Marylin-Poster ab, Jungens,

           dann kommt Charlie sicherlich hervorgekrochen aus seinen Erdhöhlen

           und ihr könnt Paff paff Pafferafpaff Paff paff Paff Paff....

 

Josephine stellt genervt den Radiowecker wieder auf den Nachttisch, drückt auf einen anderen Knopf, schreckliche Volksmusik ertönt.

 

Josephine geht ins Bad, kleidet sich mit ihren heissen Teilchen an, bürstet sich die Haare, die Zähne, stopft sich tierisch den BH auf, setzt sich eine abscheuliche schwarze Locken-Perücke auf (sie ist in Wirklichkeit strohblond), zieht hochhackige Stiefel an.

An der Badezimmerinnentür ein Poster von Winnitou, der Stilaugen kriegt.

 

JOSEPHINE

 

                       Da kriegste Stilaugen, hm, du alte Rothaut. Da ist deine

                       Intschutschuna ein Fliegendreck dagegen. 

 

 

 

-4- 

 

 

 

Im Hintergrund hört man immer noch die Volksmusik, jetzt meldet sich eine Radiostimme.

 

RADIOSTIMME

 

 

Und hier wieder Jonas Jauches beliebtes Trillionen-Quiz, für Arbeitlose, Veteranen, Fussballbundesligaprofis und sonstige Müssiggänger. Raten und gewinnen sie. Eine Woche Jeepsafari im Odenwald, gesponsort von Meckermann Touristik. Wer alles Urlaub machen kann, das sieht man nur bei Meckermann. Beate Uhse auch mal ohne Bluse und Babsens Möschen ohne Höschen. HaHaHaHa. Unsere heutige Einstein-Egghead-Powerquizfrage, gesponsert von der Hypergemeinsbank  lautet:

Wer oder Was sind Futures? A: Science Fiction Romane, B: Terminkontrakte, C: Eine berühmte Popgruppe der 70er Jahre, E: Amerikanische Zukunftsforscher Rufen sie jetzt an 0180-sechs mal die sechs, für schlappe  34,99 die Minute.

 

Josephine läuft ins Schlafzimmer, haut dem Radiowecker eine drauf, wirft sich ihre Lederjacke über, der Wecker jault auf, dann eine neue Stimme

 

RADIOSTIMME (VON GERHARD SCHRÖDER)

 

               Doris, unterwegs in einem neonazifarbenen Fiat Panda, zwischen

              Oberursel und  Bad Segeberg, bitte rufe dringend deinen Mann, den

               Bundeskanzler an.

 

Josephine schüttelt den Kopf, die Tür fällt ins Schloss, Josephine tritt über verschiedene umgeworfene Mülltonnen, Müll der herumliegt und einen schnarchenden Penner ins schummrige, vergammelte Treppenhaus. 

 

 

 

-5- 

 

 

(3)      TREPPENHAUS APPARTMENTBLOCK-NACHTS                                       (3)

 

Josephine blickt die Stiegen hinunter und sieht voller Schrecken den Hauswart, ein Monster (wie Herman Munster von den Munsters), der gerade eine alte Omi an der Gurgel hat.

 

HAUSWART

 

                Du haben nix gezahlt Miete pünktlich, Baby. Vermieter iste

                särr bösäh...

 

JOSEPHINE

 

               Scheisse!

 

Josephine schliesst leise ihre Tür auf und macht sie leise hinter sich zu, von unten hören wir grässliche Schreie, Jaulen und ähnliche Geräusche wie im Folterkeller.

Sie geht ins Schlafzimmer, zum Schlafzimmerschrank und öffnet die Türen

 

RADIOWECKER  (MIT STIMME SCHRÖDERS)

 

                  Dooooris!  Dooooris!

 

Josephine wirft einen Gummianzug aus dem Schrank über den Wecker, die Stimme erstirbt.

 

            JOSEPHINE

 

                    Wo ist denn nur....

 

Sie wirft einige Dinge aus dem Schrank auf den Boden, eine Gummipuppe, erotische Unterwäsche, Männermagazine, eine Katze, einen verrosteten Auspuff. Endlich zieht sie das Gesuchte hervor, einen Riesen-Dildo, den sie auseinanderschraubt. Anstelle der Batterie sind zwei Geldscheine zu sehen, die sie rausnimmt und anstarrt.

 

 

 

-6- 

 

 

JOSEPHINE

 

                    So ein Mist! Diese elende Schlampe!

 

Draussen hört man energisches Pochen an der Tür. Erschreckt springt sie Richtung Schlafzimmerfenster, steigt hinaus und rutscht mit rasender Geschwindigkeit am Regenwasserrohr hinunter, wobei aus ihrem Leder-Minirock Funken schlagen und

einer Frau, die auf dem Balkon steht und wie Angela Merkel aussieht die Haare

entzünden.      

                                    

 

 

 

 

 

(4)        AUSSEN - STRICH - NACHTS                                                                    (4)

 

           

Josephine läuft zielstrebig an verschiedenen Nutten vorbei, die am Strassenrand stehen, übersteigt Penner, die herumliegen, sie begegnet drei/vier Geistlichen, die

mit einem Mädchen über den Preis verhandeln, einer Horde Japaner, die alles photographieren, einer Bande Polen, die in Seelenruhe die Scheibe eines Autos

einschlagen, wühlt sich durch einen Pulk mit Polizei, hinter der Bundeskanzler Schröder eine Rede hält, bis sie den Nachtclub ST.PAULI SALOON erreicht.

 

 

(5)       INNEN – NACHTCLUB ST. PAULI SALOON – NACHTS                            (5)

 

 

Der Club entpuppt sich als waschechter Western-Saloon. Überall sitzen und stehen Cowboys, die Karten spielen und Whisky trinken, Schlägereien finden statt, einer wird gerade am Tisch erschossen, auf der Bühne tanzen Can-Can Girls. Hinter der Bar steht ein riesiger Sheriff, der Barkeeper, der ausschenkt.

 

 

 

-7- 

 

 

 

JOSEPHINE

 

                   He, Wyatt Earp, wo ist Dora?

 

Der Barkeeper zeigt nur nach Oben.

 

Josephine rennt die Treppe hoch, ihr entgegen kommen die Geistlichen, die Japaner und etliche Bayern mit Gamsbart. Sie klopft an der Zimmertür mit Nr. 5, auf der ein

Grosses Schild angebracht ist: STUDIO.

 

JOSEPHINE

 

                         Dora! Dora, ich bins, mach auf!

 

Die Tür öffnet sich, heraus tritt DORA, eine üppige Domina in schwarzen Strapsen, die eine Peitsche in der Hand hält. Hinter ihr im Zimmer sieht man einen winzigen nackten Mann auf allen Vieren.

 

DORA

 

                        Was machst`n für`n Stress, Zuckerpüppchen. Gerade wo

                         Ich dem Herrn Innensenator seine Tracht verabreiche.

 

JOSEPHINE

 

                         Mensch Dora. Der Verwalter war da, wollte die Miete. Wo

                         Ist die verdammte Kohle, Dora.

 

DORA

 

     Dreht sich um: Mach Männchen, Benno!

 

                         Die Kohle? Ach, Scheisse, die hab ich Rodriguez geliehen.

                         Sein Chihouahoua hat Arthritis, musste operiert werden,

                         das arme Hündchen, er gibt’s uns nächste Woche zurück.

 

 

 

-8- 

 

 

JOSEPHINE

 

                        Dem schwulen Rodriguez? Scheisse! Wir sind so gut wie

                        tot, Dora. Der Lange macht kurzen Prozess mit uns, wenn

                        er uns erwischt.

 

DORA

 

                        Ach, reg dich ab, Zuckerpüppchen. Es wird sich alles regeln.

                        Geh du n`bisschen anschaffen, und ich gebe dem Herrn

                        Innensenator die Sporen. (Dora schliesst die Tür).

 

 

 

(6)  AUSSEN – STRICH – NACHTS                                                                     (6)

 

Blende auf Brunos Wagen, der am Strassenrand hält und eine superalte Fregatte nach dem Weg fragt.

 

BRUNO

 

                         Entschuldigens, gnädige Frau. Wo gehtsn do zum

                         Hotel Fünfjahreszeiten?

 

FREGATTE

 

                        Mensch, jnädije Frau hat mich seet Neunzehnvierzich

                        keener mehr jenannt. Komm, ick blas dir erstmal eenen,

                        Jüngelchen. (bewegt sich auf ihn zu)

 

BRUNO

 

                       Scho guat. Scho guat. Nix füa ungut und Servus dann.

                       (Bruno gibt Gas und holpert weiter)

 

In diesem Moment tritt Josephine aus dem Saloon, überquert die Strasse. Bruno muss anhalten, er blickt ihr nach, haut den Rückwärtsgang rein, fährt ihr nach.

 

 

-9-

 

 

 

BRUNO

 

                       Entschuldigens, gnädiges Fräulein. I suachats Hotel

                       Füpnfjahrezeiten. Könntens mer need...

 

 

Josephine beugt sich zu ihm herunter.

 

JOSEPHINE

 

                       Französisch einsfünfzig, Mit einsachtzig, blasen zwei

                       gerade

 

BRUNO

 

                      Sie hammame need richtig verstanden, Fräulein.

                      Ich mechets ins Hotel...

 

JOSEPHINE (kauft heftig Kaugummi)

 

                      Was bistn du fürn abgefahrener Typ? Abgefahrene Karre,

                      Alter. Fast wie aus Superman.

 

BRUNO

 

                      Dees is a Chevrolet. Sonderanfertigung.

 

JOSEPHINE

 

                     Und du bist auch ne Sonderanfertigung, scheint mir.

                     München?

 

BRUNO

 

                    Nah, Straubing. Aber vielleicht könntens mer need...

 

 

 -10- 

 

 

JOSEPHINE

 

                    Das findest du nie, Schätzchen. Glaub mir. Jedenfalls

                    nicht in ganzen Stücken. Aber ich kann dich hinfahren.

                    Für einen Orangen.

 

 

 

Die Polnische Bande von vorhin rückt näher, sprechen polnisch, zeigen auf das Auto.

 

 

BRUNO

 

                  A so a Scheiss. Die fehln mer grad noch. (reisst Verschlag auf und

                  Josephine auf den Fahrersitz) Auf geht’s, Madel. Zum Hotel.

 

Bruno fährt mit Vollgas an, der Wagen bockt und quietscht, rauscht schlingernd mit qualmenden Reifen davon. Die Polen bleiben mit schwarzen Gesichtern verduzt zurück, fluchen wütend einige polnische Schimpfwörter.

 

JOSEPHINE (nervös)

 

                   Vorsicht! Da vorne rechts. Vielleicht wäre es eine gute Idee, Licht zu

                   machen.

 

Das Auto rumpelt dahin, Leute sehen ihnen nach, zeigen ihnen den Vogel, Bruno rast über einen dichtbevölkerten Zebrastreifen und über eine rote Ampel.

 

BRUNO

 

                  In unserem Metier fährt man ohne Licht. Von wegen der Diskretion,

                  verschtengens?

 

Josephine macht eine riesige Kaugummiblase, deutet auf den Sarg, der hinter ihnen hin-und herrumpelt.

  

-11-

 

 

 

 

JOSEPHINE

 

                   Liegt da einer drin?  Vorsicht! An der nächsten links!

 

Haarscharf können sie einer Gruppe Nonnen ausweichen, die im Gänsemarsch einen Zebrastreifen überquert.

 

 

BRUNO

 

                Na, koa Angst. Des is nur Gwohnheit. Und vielleicht a bisserl

                Aberglaube. So, wie andere eben ihra Stofftier dabei hamm oder das

                Gruppenphoto von de siebenundzwanzig hässlichen Enkeln.

 

Bruno kuppelt, dass es laut kracht.

 

BRUNO

 

                 Ham Sie a an Namen, gnädiges Fräulein?

 

Bruno blickt aus den Augenwinkeln geniesserisch auf ihre Oberschenkel unter ihrem kurzen Minirock.

 

JOSEPHINE

 

                  Josephine. Mein Name ist Josephine.

 

BUNO

 

                  Rutzmooser Bruno. Angenehm.

 

Bruno reicht eine Hand, der Wagen beginnt zu schlingern, schaukelt haarscharf an einer Gruppe Nonnen vorbei, die im Gänsemarsch die Strasse überqueren will.

 

BRUNO

 

                    Heilandsakramentkruzifixhallellujah! Des müassen die verdammten

                    Visionen sein von der letzten Wallfahrt nach Altötting. Der Deifi is a 

                    Eichhörndl.

 

 

 

-12- 

 

 

 

JOSEPHINE

 

                     Wie bitte?

 

Bruno blickt verzückt auf ihre langen Beine.

 

BRUNO

 

                     Die Auferstehung des Fleisches. Sagens amal, Fräulein

                    Josephine, wieviel verdient man denn so als Fremdenführerin?

 

Sie rasen an einem Bushäuschen vorbei, dem Pulk wartender Omis fliegen die Hüte weg.

 

JOSEPHINE (lacht, hat das Wort falsch verstanden)

 

                     Als Fremdenverführerin?  Nicht schlecht, Monsieur Bruno (Brüno),

                     nicht schlecht. Hunderfünfzig Euro. Die Stunde. Absoluter

                     Entwicklungshilfetarif. Da machs ich dir quasi umsonst. Da vorne ist

                    das Hotel.

 

Sie überholen rechts einen japanischen Bus, schneiden ihn, die Japaner knipsen wie wild. Gewaltiges Blitzlichtgewitter.

 

BRUNO

 

                      Das Volk der aufgehenden Sonne. Seit der Ami dort seinen Atommüll

                      abgeworfen hat, ham die a so a Blitzlicht-Trauma. Und a ungsunde

                      Hautfarbn. So formalin-mässig.

 

Bruno rollt vor der Auffahrt aus, kickt mit der Kühlerfigur einen Pagen, der zwei grosse Koffer aus dem Kofferraum des Autos vor ihnen nehmen will, an, der Page stürzt in den Kofferraum, der sofort zuklappt.

 

Ein Portier in Epauletten reisst die Fahrertüre auf. Das Fahrzeug dampft und qualmt.

 

 

 

-13- 

 

 

PORTIER

 

                      Kann ich ihnen helfen, mein Herr?

 

BRUNO (schüttelt ihm intensiv die Hand)

 

                      Rutzmooser Bruno. Dees is die Josephine. Fremdenführerin.

                      I hobat reserviert. A Zimmer, verstengens scho?

 

Bruno steigt aus, drückt dem verduzten Portier den Schlüssel in die Hand.

 

BRUNO

 

                        Für Sie. Diesel. Extra.

 

Josephine steigt auf der anderen Seite aus, reckt und streckt sich.

 

JOSEPHINE

 

                         Mein Gott. Was für eine Höllenfahrt. Ich zisch dann ab. Meine

                         fünfzig Euro!

 

BRUNO

 

                          Mechats net auf an Drink mitkommen? Champagner

                          und Erdbeeren. (zum Portier): Gepäck ist hinten!

 

Der Portier öffnet die Heckklappe. Nur der Sarg liegt drin. Zögerlich öffnet er den Sarg. Das Gepäck befindet sich im Sarg.

 

JOSEPHINE

 

                           (flüsternd) Champagner und Erdbeeren. Tschuldigung.

                           Du bist aber nicht irgendsoein perverser Spinner, der

                           sein Mädchen in der Badewanne zerlegt?

 

Der Portier schaut konsterniert.

 

 

 

---14- 

 

 

 

BRUNO

 

                            Ach woher denn. Meine Kunden sind doch scho tot, wenn

                            I di krieag. Tot und kalt.

 

JOSEPHINE

 

                             Brrr. (geht hinter Bruno und dem Portier her) Ein Fuffi

                             die Stunde. Mein letztes  Angebot.

 

 

 

 

(7)  INNEN – LOBBY HOTEL FÜNFJAHRESZEITEN – NACHT                             (7)

 

 

Sie betreten das Hotel. Luxus allenthalben. Das Personal sieht die beiden seltsam an. Bruno geht zur Rezeption.

 

BRUNO

 

                               Issat Post für mi da? (zu Josephine, die heimlich ihren

                               Kaugummi an eine Säule klebt): I erwart a Angebot von

                               „Lebendig begraben.“

 

REZEPTIONISTIN (betroffen)

 

                               Wenn Sie mir Ihren werten Namen sagen...

 

BRUNO

 

                                Rutzmooser Buno. (streckt die Hand aus und schüttelt die Hand

                                der überraschten Rezeptionistin). Angenehm. Und des (zeigt

                                nach hinten) is die Josephine. Fremdenführerin.

 

REZEPTIONISTIN

 

                                 Ja. Natürlich. Wollen Sie sich bitte hier eintragen (schiebt Block

                                 rüber, langt hinter sich, stapelweise Faxe.) Das ist für sie. Und

                                 dieser Strauss.

 

 

-15- 

 

 

 

Bruno schiebt alle Faxe zerknüllt in seine Reisetasche.

 

 

BRUNO

 

                                   Ah. Schwarze Gladiolen. Die sind bestimmt von Onkel

                                   Ephraim. (zu Josephine) Onkel Ephraim ist Grabsteinhauer.

                                   Komm. Gemma!

 

Sie gehen zum Aufzug, vor dem bereits ein älteres Pärchen wartet. Josephine kaut Kaugummi, zieht Blasen. Sie steigen ein, fahren los.

 

 

 

 

 

(8)  INNEN – LIFT HOTEL – NACHTS                                                             (8)

 

 

Josephine beugt sich herunter, bindet sich einen Stiefel, der Opa glotzt ihr in den Ausschnitt, die Oma dreht sein Gesicht wieder hoch.

 

OMA

 

                                      Hier spielt die Musik!

 

Im dritten Stock steigen Oma und Opa aus. 6 Japaner mit Kameras drängen herein, sehen Josephine, ein gewaltiges japanisches Geschwafel setzt ein.

 

 HARAKIRI SUSHI(verbeugt sich)

 

                                      Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein. Mein Name Harakiri

                                      Sushi, Dollemetscher. Meine Freunde sich würden

                                      äusserst geehrt fühlen, wenn Madame würden erweisen

                                      Gunst eines Photos für  Erinnerung.

 

 

 

 -16-                                     

 

 

 

JOSEPHINE( streckt ein Knie vor)

 

                                        Geht klar, Kikeriki- Muschi. Fünfzehn Euro. Für alle

                                        sechs zusammen special price. Fünfzig Euro.

 

Sie bläst eine riesige Blase. Harakiri Sushi übersetzt, kurzes Palaver.

 

HARAKIRI SUSHI

 

                                          Einverstanden.

 

Er reicht den Geldschein, im selben Moment tobt ein gewaltiges Blitzlichtgewitter los, untermalt von lautem japanischen Kriegsgeschrei.

 

Der Aufzug hält, das Blitzlichtgewitter hält an, die Türen öffnen sich. Draussen stehen Gerhard Schröder und Dolly Buster.

 

SCHRÖDER

 

                                           Mensch, Püppchen, das passiert mir laufend. Da wird die

                                           Doris nicht begeistert sein.

 

Bruno und Josephine laufen an Schröder und Dolly vorbei, der Nummer auf ihrem Schlüssel entgegen. Auf der Tür steht auf einem goldenen Schild „Clinton-Suite“.

Bruno öffnet die Tür.

 

 

 

 

 

 

(9) INNEN – SUITE HOTEL – NACHTS                                                                (9)

 

Ein Glanz blendet die Eintretenden (wie Meister Propper), überall Bonbonfarben, an den Wänden Bilder von Clinton, Fidel Castro, dem Pabst, Boris Becker und Monica Lewinsky. An einer Wand hängt gerahmt das berühmte blaue Kleid von Lewinsky, daneben amerikanische Flaggen. 

 

 

 

-17- 

 

 

 

BRUNO

 

                                          Onkel Joshua bucht immer die amerikanischen

                                          Präsidenten-Suiten. Ein Mann, so lang er lebt, braucht

                                          Platz. Das ist sein Motto.

 

JOSEPHINE

 

                                           Unglaublich.

 

Josephine taumelt geblendet umher, ein Fernseher springt an.

 

STIMME FERNSEHER (off)

 

                                          Herzlich willkommen, Gerhard und Dolly im Grandhotel

                                          Fünfjahreszeiten. Wollen Sie Scheidungsanwälte

                                          sprechen, so drücken Sie die eins, für kubanische

                                          Zigarren die zwei, für Franz Müntefering die drei...

 

BRUNO (befühlt einen Frotteebademantel)

 

                                        Onkel Joshua baut Krematorien. In Kirgisien,

                                        Tadschikistan und Mecklenburg-Vorpommern.

 

JOSEPHINE(seufzt)

 

                                Natürlich. (lässt sich auf ein riesiges Bonbon-Wasserbett fallen)

 

STIMME (off)

 

                                ...für Doris die Vier, für Bio die fünf, für die Bundesliga die

                                sechs...

 

BRUNO

 

                                  Gfallts dir hier, Josephine?

 

Josephine strampelt mit den Beinen ausgelassen auf dem Wasserbett.

 

 

 

-18- 

 

 

JOSEPHINE

 

                                  Ich sag dir, Bruno, dein Onkel Joshua hat Stil. Für sowas hab

                                  ich einen Blick.

 

Josephine schaltet mit der Fernbedienung den Fernseher im Schlafzimmer an, ein Bild erscheint, es sind zwei Kaninchen, die mit rasender Geschwindigkeit kopulieren.

 

JOSEPHINE

 

                                    Mein Gott!

 

Es Klingelt an der Tür.

 

JOSEPHINE

 

                                Ich mache auf!

 

Ein Page steht vor der Tür mit Servierwagen.

 

BRUNO (in riesiger erdbeerfarbener Hot-Pants)

 

                               Hierher! An die Stehbar.

 

Der Page fährt am offenen Schlafzimmer vorbei. Sein Blick fällt auf den Bildschirm mit den immer noch wild kopulierenden Kaninchen. Er schüttelt den Kopf. Er stellt  die Sachen auf den Tresen, zieht sich zurück, räuspert sich verlegen an der Tür.

 

Bruno öffnet umgstüm eine Champagnerflasche, der Korken knallt mit rasender Geschwindigkeit schräg gegen ein Bild von Clinton, das herunterfällt und mit ohranbetäubendem Klirren zerspringt.

 

Der Page räuspert sich abermals verlegen.

 

BRUNO

 

                                  Frosch im Hals, was? 

 

 

-19- 

 

 

 

Bruno steigt ungerührt über die Scherben und reicht dem Pagen ein Glas Champagner.

 

BRUNO

 

                                    Hier, trinken Sie nen Schluck. Das wirkt Wunder.

 

Der Page trinkt hastig aus, nickt wortlos, schliesst die Tür und läuft davon.

 

Bruno setzt sich mit dem zweiten Glas an den Schreibtisch.

 

BRUNO (zu Josephine)

 

                                  Komm. Nimm. Saulecker, das Zeug. Ich muss noch ein paar

                                  Faxe durchsehen. Du kannst ja  derweil fernsehen.

 

Josephine holt sich am Tresen Erdbeeren und Champagner.

 

JOSEPHINE

 

                                   Da kommt nur so komisches Zeugs.

 

Sie stakt über die Scherben zum Fernseher im Wohnzimmer, drückt die Fernbedienung: Harald Schmidt.

 

JOSEPHINE

 

                                     Scheisse, jetzt auch noch Politik!

 

Es klingelt kurz, die Tür springt auf, herein kommt eine auf Spanisch vor sich hin fluchende Putzfrau mit Damenbart und Warze auf der Nase, einen winzigen Handstaubsauger in der Hand, an den Füssen riesige Gummistiefel, die ohne nach links oder rechts zu sehen, auf die Scherben zugeht.

 

Josephine schüttelt den Kopf über Harald Schmidt und zappt weiter, es erscheint die Szene aus „I love Lucy“ mit dem Traubenfass, die wir aus Pretty Woman kennen. 

 

 

-20- 

 

 

 

JOSEPHINE(sich Erdbeeren in den Mund stopfend)

 

                              Diesen Mist hab ich doch irgendwo schon einmal gesehen.

 

Die Spanische Putzfrau (in einem fort fluchend) hält den winzigen Staubsauger über die Scherben und drückt auf einen kleinen roten Knopf. Mit ohrenbetäubendem Lärm springt der Motor an (wie startende Flugzeuge), ruckizucki sind die Scherben weggesaugt.  Die Spanierin schaltet aus, flucht, trinkt den Rest Champagner aus der Flasche vom Tresen und stampft fluchend hinaus.

 

Bruno kratzt sich über dem fülligen Bauch, guckt auf den Bildschirm.

 

BRUNO

 

                                  Das ist aus diesem schmalzigen Kinofilm...Da, wo der reiche

                                  Prinz das arme Strassenmädchen....

 

JOSEPHINE (seufzt)

 

                                   Pretty Woman. Herrlich. Aber so was gibt’s in der Wirklichkeit

                                   nicht.

 

BRUNO

 

                                   Nö. Arm bleibt arm. Und reich wird immer reicher. Das hat

                                   schon Onkel Rochus immer gesagt. Und statt am gebrochenen

                                   Herzen sterben die Leut am Lungenkrebs und am Infarkt. I

                                   woass, wovon i sprich.

 

Josephine knippst aus, holt sich an der Bar eine neue Flasche Champagner und geht zur Balkontür, öffnet sie, ein heftiger Wind bläst rein.

 

JOSEPHINE

 

                                    Ich geh mal kurz frische Luft schnappen.

 

 

 

-21- 

 

 

BRUNO (springt auf)

 

                                    Um Gottel willen, Madel, sei vorsichtig. Mir san ganz oben.

                                    Abgstürzt is ma schnell amal.

 

Es pfeift und bläst von draussen rein, ein zweites, identisches Clinton-Bild fällt von der Wand und zerspringt auf dem Boden.

 

Josephine setzt sich draussen auf die Brüstung, hinter ihr leuchtet die Stadt, oben kitschig ein irrer Sternenhimmel.

 

JOSEPHINE

 

                                       Ich bin schwindelfrei. Keine Angst. Rette mich doch, wenn

                                       du dich traust.

 

Sie breitet beide Hände aus, wippt gefährlich hin und her, das Haar vom Wind zerzaust.

 

In diesem Moment taucht ein Fanghaken auf, der sich neben Josephine in den Balkonsims krallt, wenig später die Silhouette eines Fassadenkletterers, der sich ächzend und stöhnend über den Balkon schiebt.

 

BRUNO

 

                                           Halt aus Josephine. I kimm glei. Bin glei wieser da.

                                           Es hat geläutet.

 

Innen betritt die spanische Putzfrau (identisch) das Zimmer, saugt wieder die Scherben weg (identische Szene). Als sie jedoch merkt, dass von draussen der Wind reinbläst, schüttelt sie den Kopf, geht an Bruno vorbei zur Balkontür, drückt auf einen Knopf neben der Gardine. Schlagartig lässt der Wind nach, Vögelgezwitscher und leichtes Wasserplätschern. Die Putzfrau geht heftig fluchend ab.

 

 

-22- 

 

 

FASSADENKLETTERER

 

                                          Schöne Bescherung. Die janze Hose zerrissen.

                                          (schleudert einen Sack mit schwerem Gerät auf den

                                          Boden). Sind Sie die Juwelentussi aus 616?

 

Bruno tritt auf den Balkon, schrittweise, vorsichtig.

 

BRUNO

 

                                            Ja verreck, des is ja der Zorro! Und i hab glabt, der

                                            kimmt  aus dem Spanien. Des glaubt mir der Joshua nie!

 

JOSEPHINE (gelangweilt)

 

                                             616 ist ein Stock tiefer. Hier ist 716! Juwelen ist hier

                                             nicht. Höchstens Kondome.

 

Sie langt in ihre Tasche und bringt einen ganzen Strauss Kondome zum Vorschein.

 

JOSEPHINE

 

                                            Hier, das ist der Noppen-Neger.

 

FASSADENKLETTERER (interessiert)

 

                                            So eenen hab icke ja noch nie jesehen. Gibt’s den och

                                            mit Jeschmack?

 

JOSEPHINE

 

                                           Den hab ich in Apfel, Sauerkirsch und Honigmelone.

                                           Zwofuffzich das Stück. Die Spikes gibt’s in

                                           Schneewittchenweiss oder Scharlachrot.

                                           Mit Beschichtung oder ohne. 

 

 

 

-23-  

 

 

FASSSADENKLETTERER

 

                                           Ick nehme alle viere. (wühlt in der Hosentasche.)

                                           Verdammich, keen Kleinjeld.

 

Bruno geht kurz zum Schreibtisch zurück, kommt mit einer Kreditkartenmaschine wieder.

 

BRUNO

 

                                              Koa Problem. Mir san vorbereitet auf alle

                                              Eventualitäten. A Kreditkartn hams ja bestimmt, oder?

 

Der Fassadenkletterer wühlt wieder in seiner Tasche, bringt eine Karte zum Vorschein.

 

FASSADENKLETTERER

 

                                              Hier bitteschön. Teurocard. Gültig bis 10/03.

 

Bruno zieht die Karte durch den Automaten, es funkt und zischt und qualmt, oben rattert die Quittung raus.

 

Bruno gibt dem Fassadenkletterer die Kopie.

 

BRUNO

 

                                         Alles in Ordnung. Aber sagen Sie, ham Sie überhaupt

                                         scho a Sterbegeld-Versicherung?

 

FASSADENKLETTERER (setzt sich an den Tisch)

 

Sterbejeld-Vericherung? Wofür solln dat jut seen?

 

BRUNO

 

                                Herrschaftszeiten. Dees fragen Sie mich. In Ihrem Beruf. Sie

                                sind garantiert unterversichert. 

 

 

-24- 

 

 

JOSEPHINE

 

                                 Und wenn Sie abstürzen, steht ihre Familie unversorgt da.

 

 

FASSADENKLETTERER ( nachdenklich)

 

                                 So hatte ich det noch nie betrachtet.

 

BRUNO

 

                                 Wenns an Moment Zeit haben...

 

JOSEPHINE

 

                                 Die Juwelentussi von unten können Sie nachher immernoch

                                 ausrauben.

 

Der Fassadenkletterer nimmt seine Maske ab, holt eine Lesebrille aus seinem Anzug hervor. Bruno kommt mit einem Stapel Formulare.

 

BRUNO

 

                                   Berufsunfall, Sterbegeld, Risikoleben. Da könnens abstürzen,

                                   soviel wies grad wollen...

 

Bruno füllt Formulare aus, Josephine stellt Champagner und Erdbeeren hin.

 

JOSEPHINE

 

                                    Sie sind aber nicht von hier, oder?

 

FASSADENKLETTERER

 

                                     No woher denn, Zuckerpüppchen. Kreuzberch, wie viele

                                     Kollegen. Aber icke brauch die Kohle ooch. Zum Klagen

                                     gegen den Bund. Da, wo früher der Oma ihr schmucket

                                     Häuschen jestanden hat, da sitzt jetzt der Herr Minister  auf

                                     seinem fetten Arsch. 

 

-25- 

 

 

Bruno schiebt ihm die Papiere rüber.

 

BRUNO

 

                                       So, unten rechts bittschön. Und fest aufdrücken.

 

Der Fassadenkletterer unterschreibt. Bruno gibt ihm die Kopien, die er in seinem Beutel verstaut. Er zieht wieder die Maske drüber, steckt Brille ein.

 

FASSADENKLETTERER

 

                                       Vielen Dank ooch, Leute. Ick mach mich vom Balkon.

 

Er schwingt sich mit Verve an seinem Seil hinaus, jodelt, der Haken verliert den Halt, springt raus, man hört, wie der Fassadenkletterer in die Tiefe stürzt und mit einem gewaltigen Knall am Boden aufprallt. Sofort ertönt Krankenwagensirene.

 

Josephine beugt sich interessiert über die Ballustrade, schaut hinunter.

 

JOSEPHINE

 

                                          Schrecklich, den hats ja total zerbröselt.

 

BRUNO

 

                                          Siagstes. Da hammas scho. Den Salat. Gut, dass er uns

                                          troffa hat. Die Leut san einfach zu unvorsichtig.

 

 

 

.

 

 

 

 

 

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